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Junge Fundvögel

Aus dem Nest gefallen?

In den meisten Fällen sind Jungvögel, die im Frühjahr und Frühsommer bettelnd in Büschen oder am Boden sitzend gefunden werden, nicht aus dem Nest gefallen. Sie haben aktiv das Nest verlassen – sie haben die Nestlingsphase hinter sich gebracht und haben sich auf den Weg in ein selbstständiges Leben gemacht. Dieser Schritt gehört zur normalen Entwicklung eines jeden Nesthockers und sollte durch den Mensch nicht gestört werden! Da die jungen Vögel aber noch nicht völlig unabhängig sind, werden sie - je nach Art eine unterschiedlich lange Zeit - von ihren Elternvögeln versorgt und angeleitet. Das Betteln (Sperren des Schnabels), das die in dieser Phase des raschen Wachstums scheinbar immer hungrigen Vögel zeigen, ist keineswegs ein Hilferuf an den vorüberziehenden Menschen.

Alleingelassen?

In den allermeisten Fällen werden Jungvögel von ihren Eltern nicht „im Stich“ gelassen. Die Elterntiere haben eine deutlich ausgeprägtere Scheu vor dem Menschen und verstecken sich deshalb bei dessen Erscheinen. Bei den Jungvögeln ist die Scheu noch nicht so ausgeprägt; außerdem sind sie oft noch etwas „ungeschickt/unbeholfen“ und können sich deshalb nicht so gut verstecken. Aus diesem Grund werden häufig „einsame“ und „bemittleidenswerte“ Jungvögel angetroffen.

Was sollte man mit einem Jungvogel tun?

In den meisten Fällen am besten gar nichts. Man sollte auch nicht in seiner Nähe bleiben, weil dadurch das Zurückkehren der Elternvögel nur unnötig verlängert wird. Nur in Ausnahme-situationen (der Jungvogel sitzt direkt an einer Straße, in der näheren Umgebung sind Hunde und Katzen, …) sollte man Jungvögel vom Boden aufheben und dann möglichst erhöht wieder absetzen (z.B. in einen Busch oder auf eine Mauer). Anders als bei Haarwild werden junge Vögel auch nach der Berührung durch den Menschen von den Elterntieren wieder angenommen.

Mit nach Hause sollte man Jungvögel nur dann nehmen, wenn 100 %-ig sicher ist, daß die Elternvögel nicht mehr die Versorgung übernehmen können. Da die Elternvögel wie o.g. zum Teil ausgesprochen scheu sind, muß man, um diese Frage beantworten zu können, die Situation sehr lange (z.T. deutlich länger als eine Stunde) und aus sicherer Entfernung (!) (z.B. mit einem Fernglas) beobachten. Jedesmal, wenn man einen Jungvogel mitnimmt, sollte man sich darüber im Klaren sein, daß die Versorgung des Vogels durch den Menschen niemals so gut sein kann wie durch dessen Eltern. Am Rande sei auch erwähnt, daß es nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist, Vögel „der Natur zu entnehmen“. Nur kranke und verletzte Tiere dürfen zum Zweck der medizinischen Versorgung ausnahmsweise aufgenommen werden.

Versorgung von Jungvögeln

Wenn ein Jungvogel verletzt ist oder wirklich sicher ist, daß die Elternvögel die Versorgung nicht mehr übernehmen können, ist der Jungvogel eine gewisse Zeit auf die Hilfe des Menschen angewiesen. Diese Vögel sollten keineswegs in gewöhnlichen Vogelkäfigen untergebracht werden. Sie zerstören sich in diesen oft das Gefieder, was zur Folge hat, daß sie bis zur nächsten Mauser stark in ihrem Flugvermögen beeinträchtigt sind. Mit Ausnahme von sehr bewegungsfreudigen Vögeln wie Wasser- und Hühnervögeln können Wildvögel kurzfristig gut in Pappkartons untergebracht werden. Der Deckel des Kartons sollte durch eine Damenstrumpfhose ersetzt werden, damit die Vögel nicht im Dunkeln sitzen. Jungvögel, die das Nest verlassen haben, sind i.d.R. befiedert und bedürfen keiner zusätzlichen Wärmequelle. Sie können bei Raumtemperatur gehalten werden. Sobald der Vogel voll flugfähig ist und selbstständig Futter aufnimmt sollte er – am besten in der Nähe des Fundortes – wieder ausgesetzt werden.

Fütterung

Über die Fütterung von Jungvögeln existieren sehr viele unterschiedliche Meinungen. Im Folgenden werden nur einige Futtermittel in Anlehnung an die Empfehlungen des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) dargestellt.

In vielen Fällen nehmen die Jungvögel anfangs noch nicht selbstständig Nahrung auf (sie werden in der Natur noch von ihren Eltern versorgt und sperren aus diesem Grund…). In diesen Fällen muß den Jungvögeln die Nahrung mit einer stumpfen Pinzette tief in den Schnabel/Rachen eingegeben werden. Die Fütterung muß bei den meisten Arten stündlich (!) erfolgen. Nach jeder Fütterung werden einige Tropfen Wasser mit einer Spritze/Pipette in den Schnabel eingegeben.

Die schnellwachsenden Jungvögel haben einen sehr hohen Bedarf an Mineralien (v.a. Calcium) und Vitaminen. Deshalb muß das Futter immer mit geeigneten Mineral- u. Vitaminpräparaten ergänzt werden.

Weichfresser (Amseln, Drosseln, Meisen, Stelzen, Stare, Grasmücke,…)

Magerquark, hartgekochtes Ei, eingeweichte Beoperlen, handelsübliches Weichfutter, für Amseln und Drosseln zusätzlich Regenwürmer als Lebendfutter. Vitamine und Mineralien als Pulver oder Tropfen.

Achtung: Mehlwürmer sind sehr chitin- und fetthaltig und als alleiniges Futtermittel ungeeignet!


Körnerfresser (Sperlinge, Finken, Ammern)

Wie Weichfresser, zusätzlich kleingeschnittenes Grünzeug, milchreife Grassamen.



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