Probleme bei der Ernährung insektenfressender Echsen
Die meisten kleinen und mittelgroßen Echsen, die in Gefangenschaft gehalten werden, gehören zu den sich teils/überwiegend von Insekten ernährenden Reptilien. Aufgrund des reichhaltigen Angebots an Futtertieren (Grillen, Heimchen, Heuschrecken, Wachsmaden bzw. Wachsmottenlarven, Mehlwürmer, sogenannte „Riesenmehlwürmer“ = Schwarzkäfer- bzw. Zophobalarven, Schaben, Asseln, usw.) des Zoofachhandels erscheint die Ernährung der Echsen nicht besonders schwierig. Leider zeigt die tägliche Praxis, daß der Schein trügt.
Wo liegen die Probleme?
Eines der Hauptprobleme bei der Ernährung von Echsen ist, daß die Tiere sehr oft mit „Monodiäten“ (d. h. es wird nur eine Futtertierart angeboten) versorgt werden. Dies entspricht keinesfalls den natürlichen Bedingungen der meisten Reptilien. Kein Futtertier (sei es auch noch so „optimal“ gezüchtet worden) kann alle Bedürfnisse der Terrarientiere in Hinblick auf Nährstoffgehalt und -zusammensetzung befriedigen. Als besonders kritisch in diesem Zusammenhang ist das Verfüttern großer Mengen von Mehlwürmern anzusehen. Mehlwürmer (die Larve des Mehlkäfers) sind sehr chitin- und fetthaltig und sind aus diesem Grund keineswegs als „Alleinfuttermittel“ zu verwenden. Sie sollten höchstens als „Leckerei“ bzw. als Futterergänzung eingesetzt werden. Gleiches gilt für Wachsmottenlarven (auch Wachsmaden genannt), die auch ausgesprochen fettreich sind. Auch wenn andere Futterinsekten als „hochwertiger“ einzustufen sind, sollten sie keinesfalls als alleiniges Futtermittel sondern immer im Wechsel verfüttert werden.
Das zweite Problem der Futterinsekten ist, daß diese häufig eine „sehr lange Reise hinter sich haben“ bis sie endlich beim Terrarianer zu Hause (und somit bei den zu fütternden Echsen) ankommen. Da die Futterinsekten aber i. d. R. auf ihren langen Transportwegen selbst nur unzureichend mit Futter versorgt werden, müssen diese von ihren Reserven zehren und nehmen deutlich ab. Plastisch ausgedrückt könnte man sagen, daß viele verfütterte Insekten nur noch „leere Chitinhüllen“ darstellen. Unabhängig davon, ob nun eine einzelne oder mehrere verschiedene Insektenarten verfüttert werden, wird leicht ersichtlich, daß diese Futtertiere nicht mehr alle benötigten Nährstoffe sowie Mengen- und Spurenelemente für unsere Terrarientiere beinhalten und sich somit langfristig Mangelzustände ergeben.
Was sollte man tun?
Zunächst einmal sollte man vor der Anschaffung des Reptils herausfinden, wo geeignete Futterinsekten zu beziehen sind oder ob die Möglichkeit besteht, sogenanntes Wiesenplankton selbst zu keschern. Hierbei ist darauf zu achten, daß langfristig ein abwechslungsreiches Angebot besteht, damit sich die Terrarientiere nicht auf eine bestimmte Insektenart „einschießen“ und dann nichts anderes mehr fressen wollen.
Desweiteren sollten Futterinsekten immer einige Tage vor der geplanten Verfütterung beschafft werden. Dadurch bleibt genügend Zeit, die Insekten (bevor sie verfüttert werden) selbst noch einmal kräftig zu füttern (dieser Vorgang wird als „gut-loading“ bezeichnet, was soviel wie „Darmaufladen“ bedeutet). Hierdurch ist gewährleistet, daß die zu verfütternden Insekten in ihrem Nährwert steigen und viele Stoffe beinhalten, die unsere Terrarienpfleglinge für ein gesundes Leben benötigen. Als Futtermittel für die Insekten können Hundeflocken, Haferflocken, Hefeflocken, kleine Obststückchen, Brotkrümel, usw. angeboten werden. Zusätzlich sollte den Insekten ein kleines Wassergefäß zur Verfügung stehen. Noch „wertvoller“ werden die Insekten, wenn deren Futter mit Vitamin- und Mineralgemischen angereichert wurde.
Unmittelbar vor dem Verfüttern an die Echsen sollten die Futterinsekten kräftig mit einer pulverförmigen Mineral-Vitamin-Mischung (wir empfehlen Korvimin ZVT®) bestäubt werden.
Nicht vergessen werden sollte auch, daß viele Echsen, die sich (scheinbar) hauptsächlich von Insekten ernähren, auch gerne pflanzliche Kost zu sich nehmen. Wußten Sie beispielsweise, daß viele Taggeckos (Phelsuma spp.) ausgesprochen gerne süßes Obst und einige Bartagamen sehr gerne reife Holunderbeeren fressen?
Sollte man so viel füttern, bis die Echsen von selbst aufhören zu fressen?
Nein! Einerseits neigen viele Echsen in Terrarienhaltung zum Verfetten. Aus diesem Grund muß das Futter unbedingt rationiert werden. Andererseits verbleiben sonst immer Insekten im Terrarium. Diese können u. U. die Terrarientiere schwer verletzen.
Auf den Punkt gebracht
Echsen sollten nicht nur mit einer Insektenart (schon gar nicht nur mit Mehlwürmern) gefüttert werden.
Viele Futterinsekten sind (auf ihren langen Transportwegen) nicht optimal versorgt worden und stellen aus ernährungsphysiologischer Sicht nur noch „leere Chitinhüllen“ dar.
Die Futterinsekten sollten (bevor sie verfüttert werden) selbst gefüttert werden („gut-loading“).
Futterinsekten sollten immer nur rationiert verfüttert werden.
Die meisten (scheinbar nur) insektenfressenden Echsen freuen sich auch über ein vegetarisches Futterangebot.
Je vielfältiger das Futterangebot ist, je hochwertiger die Futtermittel sind und je besser die Futtermenge bemessen wird desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer ernährungsbedingten Erkrankung
